Petra Schmidt-Eßmann
 



 
   
   

 

 

 

Der Totentanz – ein Bildmotiv aus der Zeit des späten Mittelalters.

 

Der Tod – ein Tabuthema in unserer heutigen Gesellschaft.

 

Die Malerei – Sichtbarmachung auch, oder gerade solcher Tabuthemen, eigener Überzeugungen und Gefühle durch Farben, Formen, und Material …

 

Die Beschäftigung mit dem Tod ist immer auch die Auseinandersetzung mit dem Leben. Basierend auf dem mittelalterlichen Bildprogramm des Totentanzes interpretiere ich dieses Thema seit einigen Jahren neu, variiere es auch innerhalb meines Werkes. Allen Bildern gemein ist ein Tod, der – anders als in der Totentanztradition der vergangenen Jahrhunderte – selten bedrohlich wirkt. In paarweisen Darstellungen mit einer lebenden Figur herrscht Gleichberechtigung zwischen Tod und Leben. Betritt der Tod allein die Bildfläche, bietet er dem Betrachter an, sich ihm mit ganz menschlichen, vielleicht sogar von Verständnis geprägten Gefühlen zu nähern.

 

Schon zu Beginn meiner künstlerischen Tätigkeit ging es in meinen Bildern um das menschliche Dasein mit all seinen Gefühlen, Leiderfahrungen und den ganz individuellen Umgang mit dem Phänomen Tod. Anfangs noch den Ausdruck menschlicher Gefühle in der Mimik der Gesichter suchend, fand ich schon bald zu wesentlich stilisierteren Formen, wie zum Beispiel Knochen-Darstellungen oder stark abstrahierten, androgynen Körpern von Menschen in extrem gekrümmten Haltungen. Um aber nicht ausschließlich das Leid sprechen zu lassen, sondern den ständigen Dualismus der Gefühlszustände unseres Lebens deutlich zu machen, sind die Werke meist in einer eher harmonischen, manchmal sogar fast frohen Farbwelt angelegt.

 

Die raue Oberfläche der auf Leinwand gemalten Bilder entsteht durch eine Acryl/Sandmischung, die aufgespachtelt und geritzt eine leicht archaische Atmosphäre impliziert, entsprechend der Ursprünglichkeit des Grundthemas. Die Acryl-Arbeiten auf Papier oder Buchbinderkarton werden nicht durch Sand ergänzt sondern durch eine fette Ölkreide, die ebenso scharfe Ritzungen zulässt. So werden die meist harten Konturen wiederum teilweise aufgelöst – ein Widerspruch, der auch dem menschlichen Dasein sehr nahe kommt.

 

In dieser Technik entstehen zurzeit eine Art „Springteufel“, die eine ständige Hinterfragung von Persönlichkeitsstrukturen in z. T. tragikomischer Weise spiegeln. Die Komplexität und Veränderlichkeit eines Menschen in dem Zeitraum zwischen Geburt und Tod lässt ihn in diesen Bildern verschiedenste „Seins-Boxen“ ausprobieren. Keine von ihnen wird wohl die Endgültige sein können.

 

Petra Schmidt-Eßmann